Was ist Suffragetten-Schmuck ?
Jedes Jahr im März (zum internationalen Frauentag) mache ich ein Suffragetten-Schmuckstück. Ein was bitte ?
Der Suffragetten-Schmuck geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als in England die Frauen-Wahlrechts-Bewegung begann. Die Frauen, welche für das Wahlrecht kämpften, wurden oft Suffragetten genannt, nach dem englischen Begriff Suffrage (Wahlrecht), der wiederum auf dem lateinischen suffragium (politisches Stimmrecht) basiert.
Da die Frauen anfänglich nicht ernst genommen und ihre Bewegung als lächerlich bewertet wurde, nahm diese Anfang des 20. Jahrhunderts so richtig Fahrt auf und bald ziemlich militante Züge an. Wegbereiterin und Begründerin der neuen äußert aktiven Strömung war Emmeline Pankhurst. Emmeline und einige ihrer Mitstreiterinnen wurde in regelmäßigen Abständen für ihre Protestaktionen ins berüchtigte Holloway-Gefängnis geworfen, was sie mit großem Stolz erfüllte. Na super, der Aufenthalt im Holloway Gefängnis -inklusive Hungerstreik- war bestimmt nicht angenehm, aber was sollten sie auch machen, als eben das beste Marketing daraus. Im Jahr 1909 hat dann Emmelines Tochter Sylvia dem ganzen die Krone aufgesetzt und eine Brosche entworfen, die als „Tapferkeitsabzeichen“ von den bereits eingekerkerten Genossinnen getragen wurde. Die „Holloway-Brooch“ bestand aus einem Fallgitter, über dem ein sogenannter breitköpfiger Pfeil liegt, der in den Farben Grün, Weiß und Violett emailliert war. Das Fallgitter ist exakt das offizielle Emblem des englischen Parlaments und ist hier als Symbol für das Wahlrecht zu verstehen. Für mich symbolisiert es zusätzlich das Gefängnistor, hinter dem die mutigen Frauen eingeschlossen wurden. Der breitköpfige Pfeil ist ein spezielles heraldisches Symbol mit dem in England seit Jahrhunderten neben Staatseigentum auch die Uniform von Gefangenen markiert wurde. Und warum wurde der Pfeil in Grün-Weiß-Violett emailliert ? Die Farben stehen für die Forderung der Frauen: Green White Violet = Give Women Vote.
Neben den tapferen Frauen, die auf die Straße gingen und kämpften, gab es auch viele mehr oder weniger geheime Sympathisantinnen (und Sympathisanten). Da der Schmuck in viktorianischer Zeit gern mit Symbolen spielte, war es nur eine Frage der Zeit, bis überall Schmuckstücke mit grünen und violetten Edelsteinen auftauchten. Entweder in Silber (Weißgold gab es noch nicht) oder mit Diamant (für die weiße Farbe). Nicht alle wissen von dieser geheimen Codierung, aber wenn ich in Auktionshäusern oder bei Antikhändlern einen entsprechenden Hinweis finde, freut es mich sehr, dass die Arbeit dieser mutigen Frauen auch heute noch gesehen wird.
Ich bin sehr dankbar, dass ich in einem freien Land lebe und wählen darf und deshalb fertige ich jedes Jahr im März ein Suffragetten-Schmuckstück an, aus Respekt und Dankbarkeit. Diesmal ist es ein schmaler Ring aus Weißgold in einem klaren Art Deco Design, was zeitlich gut zur Entstehung der Holloway-Brosche passt.
Na, Ladies, wer traut sich…




